Martin Bärtschi
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Zwei verpasste Aufstiege in Folge, ein Trainer, der trotzdem bleibt, und ein grosses Stadionprojekt, das seit über drei Jahrzehnten auf sich warten lässt: Sandro Burki, seit Kurzem geschäftsführender Präsident des FC Aarau, spricht im Interview über Herausforderungen und Chancen seines Herzensvereins.
Sandro Burki, Sie sind neu geschäftsführender Präsident beim FC Aarau. Wie fühlt sich das an?
Gut! Es ist nicht ein Riesenunterschied zu vorher, aber ich kann mich nicht beklagen.
Wir spulen zuerst zurück: Erklären Sie uns doch, wie man zweimal hintereinander den Aufstieg in die Super League verspielen kann?
Das ist sehr bitter. In der abgelaufenen Saison war es noch schlimmer, als im Jahr davor. Wir haben eine gute Saison gespielt, viele Punkte geholt – und dann im letzten Spiel vergibst du Platz 1. Im Anschluss spielst du eine gute Barrage und es reicht doch nicht. Eine einfache Erklärung dazu habe ich nicht, es kamen einige Sachen zusammen. Dann hat leider das letzte Bisschen gefehlt.
Am Ende ist immer jemand verantwortlich, das schwächste Glied ist immer der Trainer. Gilt beim FC Aarau das Leistungsprinzip nicht?
Doch, definitiv. Grundsätzlich bin ich eigentlich für alles verantwortlich, noch vor dem Trainer (lacht). Im Fussball ist der Trainer bei vielen Clubs gleich der Schuldige, wenn es nicht läuft – und er ist es auch, der dann gehen muss. Bei uns gilt das Leistungsprinzip: Wir haben versucht, das alles emotionslos zu analysieren, was nach dieser Enttäuschung nicht ganz einfach war. Aber man darf auch nicht vergessen, dass die letzte Saison eine Rekordsaison war. Wir sind nach wie vor der Überzeugung, dass Brunello Iacopetta absolut der richtige Trainer für uns ist und wir mit ihm aufsteigen können.
Was spricht für ihn, nachdem er den Aufstieg zweimal verpasst hat? In einem anderen Club hätte der Trainer den Spind wohl räumen müssen.
Ich verstehe die Frage, das Fussball-Geschäft ist hochemotional. In einer Woche bist du der «Tubel», in der anderen Woche der Held. Das ist normal. Einige Leute haben erwartet, dass wir etwas verändern. Aber genauso viele Leute haben erwartet, dass wir so weitermachen. Ich kann das alles nachvollziehen, aber am Ende müssen wir für uns eine Analyse machen. Wir glauben an unseren Weg, entsprechend haben wir uns für diesen entschieden.
Ein Blick auf die Tabelle: Leader Ouchy hinterlässt einen brutal starken Eindruck. Ist die Barrage wieder das Ziel für den FCA?
Nein. Nach sieben Spielen ist der Zug definitiv nicht abgefahren. Sie haben eine extrem gute Mannschaft, wie Yverdon und Winterthur auch. Die Challenge League ist sehr ausgeglichen, das Niveau ist auch bei den vermeintlich kleineren Teams gut. Wir sind ambitioniert und haben das Saisonziel bewusst nicht während des Transferfensters ausgegeben.
Man konnte lesen, dass der FCA ein paar interessante Spieler an der Angel hatte. Diese haben sich dann aber für Clubs aus der Super League entschieden.
Da weiss Sportchef Elsad Zverotic besser Bescheid. Aber wir waren definitiv an ein, zwei Spielern dran, die jetzt aus unserer Sicht leider in die Super League gewechselt sind.
Ist Aarau nach zwei verpassten Aufstiegen vielleicht nicht mehr ganz so attraktiv? Wird es schwieriger, Wunschspieler aufs Brügglifeld zu holen?
Nein keineswegs. Wir haben immer noch die nötige Ausstrahlung und Anziehungskraft. Aber wir müssen ehrlich sein: Wir sind definitiv nicht so interessant, wie ein Team aus der Super League. Wären wir aufgestiegen, hätte uns der eine oder andere vielleicht nicht verlassen, weil er sich in der höchsten Liga hätte präsentieren können.
Als ich 1995 erstmals in offizieller Mission mit dem FCA zu tun hatte, hat mir der damalige Präsident Ernst Lämmli (†) gesagt: Freuen Sie sich, bald haben wir ein neues Stadion. Jetzt sind 31 Jahre verstrichen – Aarau spielt noch immer im Brügglifeld. Wann kommt denn jetzt das neue Stadion?
Mir ging es ähnlich, als ich hier meinen ersten Vertrag unterschrieben habe (lacht). Es ist eine leidige Geschichte. Wir sind leider keine Partei in dem ganzen Prozess. Ich hoffe, es geht jetzt bald vorwärts.
Wie sieht es denn aktuell aus?
Nach unseren Infos sollte jetzt dann mal die Baueingabe folgen. Dann geht es wirklich um das Projekt. Wenn keine Einsprachen kommen, dann steht das Stadion bald (schmunzelt).
Kann man sich also vielleicht auf das Jahr 2029 oder 2030 freuen?
Es wäre schön. Wir kennen die Menschen in Aarau und in der Schweiz, was Einsprachen angeht. Es ist aus meiner Sicht sehr mühsam, wenn es nicht um die Sache selber geht, sondern nur darum, alles zu verzögern. Aus meiner Sicht ist es ein Riesenproblem, dass man solche Projekte über Jahre hinaus mit den immer gleichen Argumenten verhindern kann – ohne dabei gesprächsbereit zu sein und mal über die Sache zu reden.
Ex-FCA-Präsi Philipp Bonorand hatte 25 Prozent der Aktien am FCA, die er dem Club zum Vorzugspreis zurückgegeben hat. Hat man schon Käufer gefunden?
Ja, da sind wir dran. Und da sieht man auch, wie gross die Unterstützung für uns ist und wie gut der Club bei den Menschen ankommt. Wir sind auf sehr gutem Weg. Die Verbundenheit sieht man übrigens auch beim Verkauf der Saisonkarten – trotz des verpassten Aufstiegs, haben wir zehn Prozent mehr Abos verkauft.
Also wird nicht wieder eine Person 25 Prozent übernehmen, sondern es wird aufgeteilt?
Es ist gut möglich, dass wir einen neuen Aktionär haben werden, der 10 Prozent nimmt und der Rest aufgeteilt wird.
Mehr als 30 Prozent kann ein Aktionär beim FCA nicht halten. Was ist die Idee dahinter?
Es ist unsere Philosophie. Meine Vorgänger wollten, dass der Verein regional verankert bleibt und keine Möglichkeit besteht, dass ein ausländischer Investor den Club übernimmt. Das war die Grundidee und diese führen wir entsprechend fort. Man schränkt sich damit finanziell ein bisschen ein, auf der anderen Seite weiss man, was man am FCA hat und wie hier gearbeitet wird. Wir haben einen klaren Weg und eine klare Strategie für die nächsten Jahre.
Einen «FC RedBull Aarau» wird es also nicht geben. Verbaut man sich damit nicht auch gewisse Möglichkeiten?
Nein, RB Aarau wird es nicht geben. Und ja, das kann man definitiv so sehen. Auf der anderen Seite: Man riskiert auch nicht ein Riesenchaos, wie man bei Xamax oder Wil gesehen hat. Es gibt ein Klumpenrisiko: Wenn die Investoren weg sind, hinterlassen sie unter Umständen etwas Aufgeblasenes, das nachher niemand finanzieren kann.
Sandro Burki, sieht Sie Ihre Familie als Präsident jetzt eigentlich noch weniger? Ist das sogar gut für eine glückliche Beziehung?
Das ist definitiv gut (lacht). Nein, es ist so: Die Zeit zu Hause gibt es noch, aber wird immer rarer.
Sie gelten als netter Typ, immer besonnen und freundlich: Wann lupft es ihnen eigentlich den Hut?
Ich bin meistens ruhig, aber das gibt es definitiv auch. Das wissen die Leute bei uns und intern auch. Ich bin nicht der Typ, der sinnlos im Zeug herumschreit. Aber ich werde schon deutlich, wenn mir etwas nicht passt.
Wann zuletzt?
Heute Morgen bei einer Diskussion rund um die Organisation des Trainingslagers.
Interview: Mischi Wettstein
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