Lilo Moser
Freude herrscht: Die Stadtbibliothek Aarau hat nach dem Umbau wiedereröffnet
Sie sorgten für einen interessanten Abend (v. l.): Dominique Minder, Michelle Hirschi, Sibylle Baumgartner, Anita Stamm, Regina Jäggi und Michael Vonarburg.
Bild: Olivier Diethelm
Im Seminarraum der Schön und Gesund AG in Aarau fand kürzlich der Anlass «Gesund & freiwillig – warum Freiwilligenarbeit auch mir selbst gut tut» statt. Organisiert wurde er gemeinsam von Pro Senectute Aargau und dem Schweizerischen Roten Kreuz Kanton Aargau (SRK). Der Abend stand ganz im Zeichen des freiwilligen Engagements und seiner positiven Wirkung – nicht nur für die Gesellschaft, sondern auch für die Freiwilligen selbst.
Aarau Begrüsst wurden die zahlreichen Teilnehmenden von Dominique Minder, Fachverantwortliche für das Freiwilligenmanagement beim SRK Kanton Aargau. In dieser Funktion ist sie verantwortlich für rund 950 Freiwillige im ganzen Kanton. Gemeinsam mit Michael Vonarburg, Leiter der Beratungsstelle von Pro Senectute in Aarau, führte sie durch den Abend.
Minder eröffnete den Anlass mit einem anschaulichen Beispiel: Sie erzählte von einem älteren Herrn, der nach seiner Pensionierung in eine gewisse Leere gefallen war. Als ehemaliger Geschäftsführer habe er sich plötzlich ohne Aufgabe und Struktur wiedergefunden. Durch sein Engagement als freiwilliger Fahrer und Begleiter beim SRK Kanton Aargau habe er jedoch wieder Sinn und Freude im Alltag entdeckt. «Er wird gebraucht, ihm wird vertraut, und das gibt ihm ein gutes Gefühl», erklärte Minder. Diese Geschichte zeigte eindrücklich, wie Freiwilligenarbeit nicht nur anderen, sondern auch einem selbst guttun kann.
Im Anschluss hielt Sibylle Baumgartner, Fachspezialistin Freiwilligenarbeit an der nationalen Geschäftsstelle des SRK in Bern, ein informatives Referat. Sie definierte Freiwilligenarbeit als unentgeltliches Engagement für andere Personen oder Organisationen ausserhalb des eigenen Haushalts – sei es im Rahmen einer Institution wie etwa Pro Senectute oder in einem Verein. Baumgartner verwies auch auf die Definition der Weltgesundheitsorganisation WHO, wonach Gesundheit mehr ist als das Fehlen von Krankheit, nämlich ein Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens. Freiwilligenarbeit könne wesentlich dazu beitragen, dieses Wohlbefinden zu stärken.
Aus dem Publikum kamen zahlreiche Beispiele: vom Treffpunkt-Café in der katholischen Kirche über Patientenorganisationen bis hin zur Nachbarschaftshilfe. Laut dem Freiwilligenmonitor Schweiz zählen die beliebtesten Einsatzbereiche zur formellen Freiwilligenarbeit: Sportvereine, kulturelle Vereinigungen, Freizeit- und Hobbyvereine, kirchliche Organisationen sowie soziale und karitative Einrichtungen.
Die Motivation der Freiwilligen sei dabei vielschichtig, so Baumgartner: Spass an der Tätigkeit, Verbundenheit mit der Organisation, soziale Kontakte, der Wunsch, anderen zu helfen oder etwas zu bewegen. All diese Faktoren trügen zum eigenen Wohlbefinden bei. «Willkommen sein, dazugehören, Freude erleben – das sind zentrale Aspekte der Freiwilligenarbeit», fasste sie zusammen.
Auch wissenschaftliche Studien bestätigen diesen Zusammenhang: Menschen, die sich freiwillig engagieren, berichten über bessere Gesundheit, höhere Lebenszufriedenheit und gesteigertes Wohlbefinden. Sie sind sozial eingebunden, können ihre Fähigkeiten einsetzen und erleben, dass ihr Handeln Sinn stiftet.
Damit Freiwilligenarbeit gelingt, braucht es bestimmte Voraussetzungen: genügend Zeit, eine flexible Tätigkeit, ein passendes Thema oder Anliegen, engagierte Mitmenschen und oft auch eine persönliche Anfrage – die sogenannte «Mund-zu-Mund-Werbung».
Baumgartner stellte anschliessend konkrete Einsatzmöglichkeiten im Kanton Aargau vor. Beim SRK reichen diese vom Fahrdienst über Tagesbetreuungen für demenzbetroffene Personen, Unterstützung bei Ausbildung und Integration, Besuchsdienste bis hin zur Entlastung von Familien. Auch bei Pro Senectute gibt es ein breites Angebot: Ortsvertretungen in Gemeinden, Leitung von Freizeitgruppen, administrative Unterstützung, Projekte wie «Senior im Klassenzimmer», Geburtstagsbesuche, Mittagstische oder den Steuererklärungsdienst.
Nach den Referaten folgte ein reger Austausch in Kleingruppen mit den drei Freiwilligen Anita Stamm, Regina Jäggi und Michelle Hirschi. Die Diskussionen waren lebhaft, viele Teilnehmende wollten wissen, wo sie eine passende Tätigkeit finden und wie sie den Einstieg schaffen könnten. Als zentrale Anlaufstelle wurde benevol Aargau vorgestellt – die Fachorganisation für Freiwilligenarbeit. Auf der Plattform benevol-jobs.ch sind zahlreiche freiwillige Tätigkeiten ausgeschrieben, die zu den unterschiedlichsten Lebenssituationen passen.
Zum Abschluss betonte Michael Vonarburg, wie wichtig es sei, eine Aufgabe zu wählen, die Freude bereite: «Freiwilligenarbeit ist keine bezahlte Tätigkeit, sondern ein Ausgleich – etwas, das psychisch und sozial guttut. Man kann ausprobieren, hineinschnuppern und bei Bedarf auch wieder wechseln.»
Auch Dominique Minder unterstrich, dass für freiwilliges Engagement keine spezielle Ausbildung nötig sei. Entscheidend seien Zeit, Offenheit und die Bereitschaft, sich selbst einzubringen. «Man muss etwas finden, das zu einem passt – dann entsteht echte Freude und Erfüllung», so ihr Fazit.
Mit einem Apéro klang der Abend in entspannter Atmosphäre aus. Viele Teilnehmende nahmen neue Ideen, Motivation und vielleicht auch den ersten Impuls mit, selbst aktiv zu werden – für andere und für sich selbst.
Von Olivier Diethelm
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