Helena Hodel
begleitet im Rahmen der Palliative-Care-Begleitgruppe Sterbende
Am Samstag, 19. Oktober, führt die Feuerwehr Küttigen ihre diesjährige öffentliche Hauptübung durch. Kommandant Markus Germann gewährt im Interview einige Einblicke in die Arbeit der Feuerwehr Küttigen.
Man lernt als Zivilperson – zusammen mit anderen motivierten Personen und mit Hilfe von professioneller Ausrüstung – anderen Menschen in zum Teil sehr schwierigen Umständen Hilfe zu leisten. Das begeistert mich immer wieder.
Ich war zwischen 2010 und 2014 in Rombach wohnhaft. Der damalige Mitarbeiter auf dem Einwohnermeldeamt war langjähriger Feuerwehrmann und hat gleich bei der Anmeldung gefragt, ob ich Feuerwehrdienst leisten wolle. Daraufhin wurde ich zur Rekrutierung eingeladen und habe mich bereit erklärt, Feuerwehrdienst zu leisten. Seit dem 1. Januar 2011 bin ich bei der Feuerwehr Küttigen und seit dem 1. Januar 2024 Kommandant.
Innerhalb der Mannschaft lege ich grossen Wert auf einen ehrlichen, offenen und fairen Umgang untereinander. Ich bin vom Milizprinzip überzeugt und möchte dieses pflegen.
Zurzeit leisten 93 Frauen und Männer Feuerwehrdienst in der Feuerwehr Küttigen. Wir verfügen über ein Tanklöschfahrzeug und ein Pikettfahrzeug mit jeweils 16 Tonnen bzw. 12 Tonnen Gesamtgewicht, ein Personentransportfahrzeug, ein Verkehrsabteilungsfahrzeug und ein Mehrzweckfahrzeug mit jeweils 3,5 Tonnen Gesamtgewicht, eine mechanische Anhängeleiter, einen Schlauchverlegeanhänger und mehrere kleinere Anhänger und Pumpen.
Die Feuerwehr Küttigen leistet im Jahr zwischen 50 und 100 Einsätze, von ganz kleinen Ereignissen wie einer Wespennestentfernung oder einer Traghilfe für den Rettungsdienst bis zu Grosseinsätzen bei Brand, Unwetter und Elementarereignissen. Pro Jahr kommen so jeweils zwischen 450 und 1250 Einsatzstunden zusammen.
Kein Einsatz gleicht dem anderen. Es gibt aber Einsätze, die eher «nach Lehrbuch» bewältigt werden können, während bei anderen mehr Improvisationstalent gefordert ist.
Der Brand des ehemaligen Restaurants Löwen in Erlinsbach, bei welchem wir die Feuerwehr Erlinsbach unterstützt haben, und ein Autounfall mit Todesfolge vor ein paar Jahren haben mich jeweils noch eine Weile lang beschäftigt.
Pro Jahr gibt es knapp 100 Übungen. Dazu gehören Gesamtfeuerwehrübungen in der Form von Postenarbeit und Einsatzübungen, die Fachdienstübungen der verschiedenen Abteilungen sowie Kader-, Offiziers- und Kommandogruppen-Übungen.
Alle paar Jahre organisieren wir zudem eine grössere Übung mit Partnerorganisationen, wie unlängst die Einsatzübung «Horen23» mit zirka 350 mitwirkenden Angehörigen aus verschiedenen Blaulichtorganisationen. Bei dieser Übung wurde im Umfahrungstunnel Horental in Küttigen ein Szenario mit einem Frontcrash zwischen Bus und Lastwagen geübt, dabei geriet auch noch ein Auto in Vollbrand.
Die öffentliche Hauptübung der Feuerwehr Küttigen findet jährlich Ende Oktober statt. In der Regel gibt es eine Einsatzübung am Freitagabend. Die diesjährige Hauptübung findet dieses Jahr allerdings am Samstagnachmittag, 19. Oktober, ab 15.15 Uhr statt. Der Start ist beim Schulhaus Dorf. Wir werden die Möglichkeiten des neuen Schlauchverlegeanhängers demonstrieren und im Anschluss eine kleine Einsatzübung zeigen.
Bis jetzt waren wir immer zufrieden und freuten uns über das Interesse, welches die Feuerwehr im Dorf auslöst.
Pro Jahr treten im Schnitt so fünf bis zehn Prozent der Feuerwehrleute aus der Feuerwehr aus – sei es, weil sie aus dem Ort wegziehen, weil sie die Altersgrenze der Dienstpflicht erreicht haben oder aus weiteren Gründen. Das bedeutet, dass wir jedes Jahr zwischen fünf und zehn Personen für den Feuerwehrdienst gewinnen müssen. Bisher waren wir mit der Rekrutierung immer erfolgreich, und wir konnten den Sollbestand halten.
Etwas längerfristig gedacht, versuchen wir, im Dorf und in der Umgebung sichtbar zu sein, und freuen uns z. B. über Besuche von Schulklassen oder anderen Institutionen. Damit wollen wir die nächste Generation für das Feuerwehrhandwerk begeistern.
Falls Sie, liebe Leserinnen und Leser, noch keinen Feuerwehrdienst leisten, überlegen Sie es sich und kontaktieren Sie Ihre Ortsfeuerwehr. Der Feuerwehrdienst ist eine spannende und erfüllende Tätigkeit.
Interview: Olivier Diethelm
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