Michael Hermann
referierte in Aarau im Hinblick auf die "Keine-10-Millionen-Schweiz!" -Initiative
Egal ob traditioneller Lang-bogen aus Holz, geschwungene Recurve-Bögen oder topmoderne Hochleistungsmodelle aus Vollkarbon: Beim Bogenschützen-Club Zofingen dreht sich alles um die Leidenschaft Pfeil und Bogen. Ein Ort, wo jeder seinen Platz findet – vom neugierigen Einsteiger bis hin zum erfahrenen Veteranen.
Zofingen Verschiedenste Berufsrichtungen und Persönlichkeiten treffen im Velokeller der Bezirksschule Zofingen regelmässig aufeinander. Sie eint die gleiche Leidenschaft: Mit Pfeil und Bogen den Trubel des Alltags hinter sich zu lassen. So auch Stefan Berger, Präsident des Bogenschützen-Clubs Zofingen (BSCZ). Auch der Instrumentallehrer berichtet mit einem Schmunzeln, dass sich die Gespräche von Musikern und Lehrern vor allem um den Job drehen würden. Und auch wenn er sich im Unterricht am Piano wohl fühlt, suchte er einen Ausgleich zu seiner musikalischen Tätigkeit.
«Das Bogenschiessen hat etwas Urtümliches, was mich eigentlich schon früh fasziniert hat», verrät Berger. Doch wie es im Leben oft der Fall ist, kommen drei Dinge auf einmal, so dass der Zofinger erst mit 52 Jahren seinen Weg zu Pfeil und Bogen fand. Das Bogenschiessen, so Berger, biete jedem einen individuellen Zugang und verlange eine tiefe Konzentration. «Man muss sich bewusst vom Stress des Alltags lösen, sich erden.» Wenn man aufgebracht ist, sei ein Treffen unmöglich. Dazu kommt das Physische: Man forme eine Einheit mit dem Bogen, er werde ein Teil des Selbst – bis man den Pfeil loslässt. Ein Ablauf, der tausende Male wiederholt wird und so einen riesigen Erfahrungsschatz bildet. Daraus kristallisiere sich ein ganz individueller Stil, welchen man über Jahre optimieren und verfeinern könne. Denn auch beim Bogensport gilt: Man lernt nie aus.
Der Verein stehe momentan mit 26 Aktivmitgliedern sehr gut da. Die Sonne schien jedoch nicht immer so hell auf den Club: Mehrere Male stand er nach der Gründung anno 1990 vor Schwierigkeiten, zuletzt nach der Pandemie. Es war auch der Zeitpunkt, an dem Berger, zusammen mit zwei anderen Mitgliedern, in den Vorstand trat. Gewissermassen aus der Not heraus, war der vorherige Vorstand fast komplett zurückgetreten. «Es durfte nicht sein, dass dieser tolle Verein stirbt», erinnert der Clubpräsident sich. Nicht nur um des Sports willen, sondern auch wegen des geselligen Treffs, der sich um den Club geformt hat. Hier grenzt sich der BSCZ bewusst von anderen ab. Im Velokeller der Bezirksschule Zofingen, wo die Mitglieder trainieren, wird kein Leistungssport betrieben. «Es geht um den Spass, nicht um verbissene Topleistungen», fasst Berger die Philosophie zusammen.
So ganz ohne Wettkampf belassen es die Bogenschützen dann doch nicht. Am Mittwoch letzter Woche fand ein kleines, internes Turnier statt. Während der Runden tauschten sich die Mitglieder aus, lachten, fachsimpelten und vergassen für ein paar Stunden den Alltag. Ganz nach der Philosophie des Clubs.
Joel Dreier
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