Tschent Vinyl
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Alfred Stiner, Gemeindeammann von Oberentfelden.
Bild: zvg
Gemeindeammann Alfred Stiner freut sich sehr über die glanzvolle Wiederwahl. Mit voller Überzeugung und grossem Engagement stellt er sich auch weiterhin in den Dienst der Gemeinde Unterentfelden und ihrer Bevölkerung.
Herr Stiner, sind Sie gut ins neue Jahr gestartet?
Persönlich bin ich mit grosser Dankbarkeit und vielen berührenden Momenten ins neue Jahr gestartet. Als Gemeindeammann von Unterentfelden durfte ich in den ersten Tagen des Jahres am Neujahrsanlass der Stadt Aarau, am Neujahrsapéro in der Alterssiedlung Chreesegge sowie an der Theaterpremiere in Oberentfelden teilnehmen. Gerade die Begegnungen mit den Menschen aus unserer Region sowie die Gespräche und guten Wünsche aus der Bevölkerung von Unterentfelden haben mir viel bedeutet und mir erneut gezeigt, wie stark unser Zusammenhalt ist.
Umso mehr hat mich die fürchterliche Brandkatastrophe in Crans-Montana erschüttert, die den Jahreswechsel überschattet hat. Solche Ereignisse machen uns schmerzhaft bewusst, wie schnell sich das Leben verändern kann. Meine Gedanken und mein tiefes Mitgefühl sind bei den Opfern, ihren Angehörigen und allen Betroffenen. Auch in Unterentfelden hat diese Tragödie viele Menschen bewegt.
Bei den Gesamterneuerungswahlen letzten September wurden Sie mit klarem Ergebnis im ersten Wahlgang wiedergewählt. Was bedeutet das für Sie?
Die glanzvolle Wiederwahl hat mich sehr gefreut und tief berührt. Sie ist für mich ein starkes und wertvolles Zeichen des Vertrauens der Bevölkerung von Unterentfelden. Dieses Vertrauen nehme ich nicht als Selbstverständlichkeit wahr – im Gegenteil: Es erfüllt mich mit grosser Dankbarkeit, aber auch mit Respekt, Verantwortung und Demut gegenüber diesem Amt. Gerne stelle ich mich weiterhin mit voller Überzeugung und grossem Engagement in den Dienst unserer Gemeinde und deren Bevölkerung.
Was hat Sie letztes Jahr als Gemeindeammann besonders beschäftigt?
Im vergangenen Jahr hat mich besonders der Fachkräftemangel beschäftigt. Einige wichtige Stellen in unserer Gemeinde konnten über längere Zeit nicht besetzt werden und ich habe hautnah gespürt, wie sehr dies den Alltag unserer Mitarbeitenden und die Abläufe in der Gemeinde belastet. Umso mehr habe ich mich gefreut, dass wir die Positionen zwischenzeitlich wieder besetzen konnten – das hat nicht nur den Betrieb, sondern auch das Teamgefühl enorm gestärkt.
Daneben haben mich die vielen Anliegen und Themen unserer Bevölkerung beschäftigt. Es ist beeindruckend zu sehen, wie vielfältig die Bedürfnisse und Ideen in Unterentfelden sind. Dieses Engagement der Menschen macht mir immer wieder bewusst, wie wichtig es ist, mit Herz und Verantwortung für unsere Gemeinde da zu sein. Es ist herausfordernd, aber gleichzeitig bereichernd, Teil dieser Gemeinschaft zu sein und gemeinsam an Lösungen zu arbeiten.
Wie ist Unterentfelden in Sachen Finanzen und Budget unterwegs?
Die finanzielle Situation von Unter-entfelden ist ohne Zweifel belastet. Wir haben seit Jahren denselben Steuerfuss von 113 % – und gleichzeitig ein schrumpfendes Steuersubstrat. Viele gutverdienende, vermögende Personen, die früher in der Gemeinde gewohnt haben, sind weggezogen oder verstorben. Manche sind ins Alter gekommen und haben sich in anderen Gemeinden kleinere Wohnungen gekauft. Dazu hat uns im letzten Jahr ein grosses Unternehmen verlassen.
Das alles führt dazu, dass uns wichtige Einnahmen fehlen. In den letzten acht Jahren haben wir sehr konsequent Schulden abgebaut. Das war politischer Wille und die Finanzkommission hat das ebenfalls eingefordert. Und trotzdem haben wir auch immer investiert. Wichtige Unterhaltsarbeiten wurden natürlich weitergeführt. Beispielsweise hat die Gemeindeversammlung im Dezember 2025 einen Kredit von 2,5 Millionen Franken für die Sanierung des Höhenwegs und der Sämisweidstrasse bewilligt.
Für das Jahr 2026 haben wir einen Aufwandüberschuss von 731'855 Franken budgetiert. Ein Zahlenbeispiel: Hätten wir ein ausgeglichenes Budget präsentieren wollen, hätten wir den Steuerfuss um rund acht bis zehn Prozent erhöhen müssen – ein Steuerprozent beträgt in Unterentfelden rund 87'000 Franken. Das wäre ein Sprung von 113 auf etwa 121 bis 123 Prozent. Steuerfusserhöhungen sind aber unschön und schrecken gutverdienende Neuzuzüger ab, Darum wäre eine Steuerfusserhöhung das allerletzte Mittel. Gleichzeitig ist es uns wichtig, verantwortungsvoll und vorausschauend mit den vorhandenen Mitteln umzugehen. Wir arbeiten intensiv daran, die Finanzen zu stabilisieren, Prioritäten klar zu setzen und tragfähige Lösungen zu finden, damit Unterentfelden auch langfristig finanziell handlungsfähig bleibt.
Wie ist der aktuelle Stand der Fusionspläne mit Aarau?
Der Zusammenschluss von Aarau und Unterentfelden wird unter dem Projektnamen «Zäme wachse» weiterhin intensiv vorbereitet und hat in den letzten Monaten wichtige Schritte erreicht. Die Behörden von Aarau und Unterentfelden haben mittlerweile ein Detailkonzept verabschiedet, das die Grundlage für einen künftigen Zusammenschluss bildet und zentral etwa Behördenstrukturen, Verwaltung, Kooperationen in Schule, Feuerwehr und Vereinen sowie personelle Übergangsregelungen skizziert. Dieses Konzept dient als Basis für den späteren Zusammenschlussvertrag.
Parallel dazu wurden Stossrichtungen für die künftige Organisation der politischen Gremien definiert, etwa zur zeitlich befristeten Erweiterung des Einwohnerrats für die Übergangsphase nach einem möglichen Zusammenschluss. Der Zeitplan sieht vor, dass im Juni 2026 der Einwohnerrat Aarau und die Gemeindeversammlung in Unterentfelden über das Projekt entscheiden werden. Am 27. September 2026 können dann die Stimmberechtigten beider Gemeinden über den Zusammenschluss an der Urne entscheiden. Bei einer Zustimmung wird der Zusammenschluss zum 1. Januar 2028 wirksam. Insgesamt befindet sich das Projekt also in einer fortgeschrittenen Vorbereitungs- und Detailplanungsphase,
Welche Termine 2026 in Unterentfelden gilt es im Kalender anzustreichen?
Das Jahr 2026 hält für Unterentfelden zahlreiche wichtige und schöne Termine bereit. Besonders hervorzuheben ist das Jugend- und Dorffest «Äntefescht», das wir gemeinsam mit Oberentfelden vom 25. bis 28. Juni feiern. In diesem Jahr befindet sich das Festgelände in Oberentfelden.
Politisch von grosser Bedeutung sind die Einwohnergemeindeversammlung vom 8. Juni 2026, an der über das Projekt «Zäme wachse Aarau – Unterentfelden» abgestimmt wird, sowie die abschliessende Urnenabstimmung vom 27. September 2026.
Daneben ist mir der persönliche Austausch sehr wichtig. Im März laden wir das lokale Gewerbe zum Dialog ein, im Juni findet der Neuzuzügeranlass statt. Ergänzt wird das Jahresprogramm durch zwei Politapéros für die Bevölkerung sowie durch den Quartierbesuch. Diese Aufzählung ist nicht abschliessend; sämtliche Veranstaltungen sind auf unserer Homepage zu finden. Ich freue mich auf viele Begegnungen – man sieht, in Unterentfelden ist auch 2026 einiges in Bewegung.
Ein abschliessendes Wort oder einen Wunsch?
Abschliessend möchte ich der Bevölkerung von Unterentfelden herzlich für das entgegengebrachte Vertrauen danken. Dieses Vertrauen ist für mich Ansporn und Verpflichtung zugleich. Für die kommende Zeit wünsche ich mir eine weiterhin aktive Beteiligung der Bevölkerung am politischen Leben unserer Gemeinde. Unterschiedliche Meinungen gehören zu einer lebendigen Demokratie – wichtig ist mir, dass wir diese fair, respektvoll und sachlich austauschen, auch wenn wir nicht immer gleicher Meinung sind. Gemeinsam können wir Unterentfelden weiterentwickeln und stärken.
Interview: Olivier Diethelm
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