Tschent Vinyl
Livio Kurmann eröffnet in Niederlenz einen Schallplattenladen
Jeanine Glarner.
Bild: zvg
Nach der deutlichen Wiederwahl blickt Frau Gemeindeammann Jeanine Glarner auf eine intensive erste Legislatur zurück – und skizziert, wie Möriken-Wildegg bis 2029 effizienter, finanziell stabiler und verkehrlich besser werden soll.
Frau Glarner, im vergangenen September wurden Sie als Gemeindeammann bestätigt. Wie schätzen Sie die Wiederwahl ein?
Ich danke der Stimmbevölkerung für das in mich gesetzte Vertrauen – das verpflichtet. Es ist nicht selbstverständlich, dass man als Gemeindeammann so gut wiedergewählt wird, ich werte dies als grosse Wertschätzung gegenüber meiner und der geleisteten Arbeit des gesamten Gremiums sowie allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.
Welches Fazit ziehen Sie zu Ihrer ersten Legislatur im Amt?
Es war eine enorm intensive Legislatur für alle: den Gemeinderat, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, aber auch für unsere Bevölkerung. Wir haben es geschafft, innerhalb nur einer Legislatur ein Jahrhundertprojekt auf die Beine zu stellen, einen zukunftsweisenden Vertrag mit unseren Nachbargemeinden zur Oberstufe abzuschliessen und fast das erste Bauprojekt – nämlich die neue 3-fach Turnhalle in Möriken – dem Betrieb zu übergeben. Das werte ich als enorme Leistung und es zeigt, dass die direkte Demokratie nicht langsam sein muss.
Beschäftigt hat die Gemeinde auch im vergangenen Jahr der Verkehr, das Ende 2024 eingeführte Ampelsystem führte bei den Automobilisten teils zu roten Köpfen. Wie schätzen Sie die Lage heute ein?
Ich stelle fest, dass das Verkehrsmanagement auf Wildegg einen positiven Einfluss hat. Es funktioniert und erfüllt die Ziele, die das Projekt gesetzt hat – nämlich Fahrplanstabilität für den Bus, weniger Stau im Siedlungsgebiet und kürzere Fahrzeiten auf der Achse Aarau – Brugg. Dass die Wartezeiten auf der Jurastrasse länger werden, war Absicht und hat sich mittlerweile auf ein annehmbares Mass eingependelt. Aber natürlich ist klar: Der Verkehr ist damit nicht weg – es rollen weiterhin täglich fast 25'000 Fahrzeugen durch Wildegg.
Einen Preis gab es dagegen für den neugestalteten Bahnhof. Die Situation für den Veloverkehr bleibt aber schwierig. Wie geht es da weiter?
So lange der Verkehr mit einer Umfahrung nicht deutlich reduziert wird, bleibt die Situation für den Fuss- und Veloverkehr in Wildegg immer schwierig. Wir können nur versuchen, in homöopathischen Dosen zu verbessern. So sind wir aktuell daran, einen provisorischen Schulradweg vom Bahnhof Wildegg bis zum Bären zu prüfen, um wenigstens ein Befahren der Bruggerstrasse für die Velofahrer zu verhindern.
Keine Zustimmung erhielt der Gemeinderat für das Vorhaben, aus dem Gemeindeverband «Soziale Dienstleistungen Region Lenzburg» auszutreten und einen eigenen Sozialdienst aufzubauen. Welche Hebel hat die Gemeinde noch, um dem Kostendruck entgegenzuwirken?
Leider keinen wirklichen, deshalb wollten wir den Austritt, um selbst das Heft in die Hand zu nehmen und bessere Qualität zu tieferen Kosten umzusetzen. Der Gemeinderat hat nun seine Forderungen gegenüber dem Vorstand des Gemeindeverbands platziert; wir wollen bessere Qualität, höhere Transparenz und stagnierende Ausgaben. Auch im Sozialbereich darf der Steuerzahler Effizienz verlangen. Nun ist der Verband gefordert, ansonsten wird der politische Druck in den kommenden Jahren – auch aus anderen Gemeinden – weiter steigen.
Welche Projekte haben Sie im Gemeindehaus sonst noch auf Trab gehalten?
Es ist die Gesamtheit der alltäglichen Arbeit und der vielen Projekte. Wir sind in der letzten Legislatur mit den uns verfügbaren Ressourcen an den Anschlag gekommen. Der Gemeinderat tut gut daran, in dieser Legislatur mit neuen Projekten vorsichtig zu sein und stattdessen den Fokus auf interne Prozesse und Optimierungen zu legen. Möriken-Wildegg wird bald 5000 Einwohnerinnen und Einwohner haben, das ist eine neue Dimension, für die sich die Gemeinde intern fit machen muss.
Blicken wir auf das Jahr 2026: Im Bereich Schulraum wird sich einiges ändern, wie ist der Stand der Dinge?
Die neue 3-fach Turnhalle in Möriken können wir am 9. Februar der Schule und den Vereinen zum Betrieb übergeben. Derzeit läuft der Abbruch der alten Turnhalle 4 in Wildegg, das heisst der Baustart für das neue Schulhaus ist erfolgt. Rund 2/3 der Arbeiten sind bereits an Unternehmer vergeben. Aktueller Stand: Wir sind im Budget und im Terminplan.
Auf welchen Projekten wird Ihr Fokus sonst liegen?
Wie bereits angetönt: Wir werden unsere internen Prozesse überprüfen und Optimierungen in allen Bereichen treffen müssen. Der Gemeinderat wird einen Fokus auf die finanzielle Entwicklung legen müssen, denn die Gemeinde hat und wird sich weiter aufgrund der hohen Investitionen in die Schulprojekte stark verschulden. Diese Tatsache ist für die heutige Generation neu und bedingt ein neues Verständnis. Ausgabenentscheide werden noch viel stärker als in den letzten 8 Jahren nach der finanziellen Machbarkeit auszurichten sein.
Wenn Sie für Ihre zweite Legislatur einen Wunsch frei hätten: Was soll in der Gemeinde bis 2029 spürbar besser sein?
Mein Ziel ist klar: Die Effizienz der erbrachten Dienstleistungen werden wir überall prüfen. Mit der Spitex haben wir angefangen, im Sozialbereich werden wir dieses Jahr Pflöcke einschlagen. Das wird sich in allen Bereichen durchziehen. Dabei ist wichtig: Mehr Effizienz heisst nicht weniger Qualität oder weniger Dienstleistungen, sondern Effizienz bedeutet ganz einfach, mehr aus den zur Verfügung stehenden Mitteln herauszuholen.
Sie haben das letzte Wort.
Ich danke allen, die in unserer Ge-meinde dazu beitragen, dass wir ein lebenswertes, schönes und für die Zukunft gut aufgestelltes Möriken-Wildegg haben.
Interview: Adrian Oberer
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