Tschent Vinyl
Livio Kurmann eröffnet in Niederlenz einen Schallplattenladen
Marie-Louise Iten.
Bild: Adrian Oberer
An den Schweizer Berufsmeisterschaften – besser bekannt als SwissSkills – messen sich regelmässig die grössten Schweizer Berufstalente. Dieses Jahr mischt auch eine Lenzburgerin mit: Marie-Louise Iten gehört zu den besten Nachwuchsfloristinnen des Landes. Bei einem Gespräch in einem Kaffee in der Lenzburger Altstadt erzählt sie über sich und ihren Werdegang.
Lenzburg Marie-Louise Iten ist in Lenzburg aufgewachsen, ging hier zur Schule. Ihr heutiger Beruf war der 19-Jährigen eigentlich in die Wiege gelegt: Schon ihre Mutter machte eine Ausbildung zur Floristin. Ein Selbstläufer war die Berufswahl für sie dennoch nicht: «Meine Interessen sind sehr breit gestreut. Deshalb habe ich lange nicht gewusst, was ich machen soll.» Obwohl sie viele verschiedene Berufe ausprobiert hatte, konnte sie sich bis zum Ende ihrer Schulzeit nicht festlegen und entschied sich daher, ins 10. Schuljahr zu gehen. Ihre Lehre startete sie dann ein Jahr später im Aarauer Laden der von Arx Blumen AG.
Für die Floristik bringt Marie-Louise die perfekten Eigenschaften mit: Sie ist kreativ, spontan, ein wenig perfektionistisch und hat ein Flair fürs Handwerk. Auch dies seien Merkmale, die sie mit ihrer Mutter teile. «Wir ‹lismen› oft zusammen oder arbeiten gemeinsam im Garten», erzählt Marie-Louise. In ihrer Freizeit lässt es die junge Floristin grundsätzlich lieber ruhig angehen: Sie sei gerne in der Natur unterwegs, ob mit Freunden am See oder auf einem gemütlichen Spaziergang.
Ihrer Spontanität ist es in gewisser Weise auch zu verdanken, dass sie Mitte September nun bei den SwissSkills nach der Goldmedaille greift. Eine Arbeitskollegin habe sie auf den Wettbewerb aufmerksam gemacht. Als sie dann bei der «Blumen Medaille», einem schweizweiten Lehrlingswettbewerb im zweiten Lehrjahr, den ersten Platz gemacht hatte, meldete sie sich spontan für die regionale Vorausscheidung an.
In der Sektion Mittelland setzte sie sich schliesslich dieses Frühjahr gegen elf andere Bewerberinnen durch und qualifizierte sich so für das Schweizer Finale in Bern. Sollte sie dieses ebenfalls gewinnen, rufen sogar die Weltmeisterschaften, die WorldSkills in Shanghai. Am Ehrgeiz fehlt es Marie-Louise dafür jedenfalls nicht: «Shanghai, das würde mich schon reizen. Aber alle, die in Bern mit dabei sind, wollen am Ende auch gewinnen.»
Ganz so weit vorauszuplanen, würde allerdings nicht zu ihrem Naturell passen. Ihr Fokus liegt jetzt erst einmal darauf, die SwissSkills zu geniessen – nicht nur den Wettbewerb, sondern auch das ganze Drumherum: «Ich finde es total cool, dass wir gleichzeitig so viele Erfahrungen sammeln, aber auch neue Leute kennenlernen und Freundschaften schliessen können.»
Die Vorfreude ist Marie-Louise während dem gesamten Gespräch anzumerken, von Nervosität ist dagegen keine Spur. So sagt sie zu ihrer Vorbereitung auch: «Ich habe mir vorgenommen, spontan an die Sache ranzugehen.» Würde sie sich jetzt noch zu viele Dinge anschauen, würde sie das wohl eher verunsichern, meint sie. Und die Aufgaben, die sie dann gestellt bekommen, sind ja ohnehin eine Überraschung.
Ganz unvorbereitet will sie dann aber doch nicht in Bern aufkreuzen. Auf der Online-Plattform Pinterest schaue sie sich regelmässig Bilder zur Inspiration an. Da sei dann eben auch einmal etwas Verrücktes mit dabei, was man im Arbeitsalltag im Laden nicht oft antreffe, an den SwissSkills aber durchaus zur Aufgabe werden könnte. Das Ausgefallene ist es aber auch, was Marie-Louise an der Floristik besonders gefällt, wie sie sagt: «Ich mag es knallig mit bunten Farbkombinationen.»
Ihre Ausbildung hat Marie-Louise Iten diesen Sommer erfolgreich abgeschlossen. Anfang September tritt sie ihre neue Stelle im renommierten Grand Hotel Les Trois Rois in Basel an. Ihrem Beruf will sie fürs erste treu bleiben, auch wenn es in der Branche nicht immer einfach ist.«Im Moment bleibe ich sicher Floristin. Wenn ich aber auf etwas Lust habe, dann mache ich es oft einfach. Von daher kann ich noch nicht sagen, wo es mich in Zukunft hinführt.» Das Wichtigste für sie sei sowieso, dass sie Freude an ihrem Job hat – und dass das aktuell so ist, merkt man ihr an.
Von Adrian Oberer
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