Michael Hermann
referierte in Aarau im Hinblick auf die "Keine-10-Millionen-Schweiz!" -Initiative
Etwa durch den Verlust des geliebten Menschen oder auch im Alter geraten Menschen in Phasen des Alleinseins. Einsamkeit muss aber kein Schicksal sein. Welche Wege zu Sinn, Lebensfreude und innerer Verbundenheit führen können, zeigte der aufschlussreiche Vortrag von Autorin Verena Steiner auf, die selbst relativ früh Witwe wurde.
Buchs Rund 200 Interessierte folgten am Montagabend, 13. April, der Einladung von Pro Senectute Aargau in den Gemeindesaal Buchs. Im Zentrum der Veranstaltung stand ein Thema, das viele Menschen bewegt: «Alleinsein – Albtraum oder Abenteuer?». Referentin war die renommierte Autorin Dr. Verena Steiner, die unter anderem mit ihrem Bestseller «SOLO – Alleinsein als Chance» und auch den Kursen «Solo, stark und lebensfroh» schweizweit bekannt wurde.
Gleich zu Beginn suchte Steiner den direkten Austausch mit dem Publikum. «Wer von Ihnen lebt in einer Partnerschaft – und wer alleine?», fragte sie. Auffällig viele Hände gingen bei der zweiten Frage nach oben. Ein Bild, das zeigte: Alleinsein ist längst keine Randerscheinung mehr, sondern Teil der Lebensrealität vieler Menschen.
Steiner weiss aus eigener Erfahrung, wovon sie spricht. Mit 65 Jahren wurde sie ganz unerwartet Witwe – ein Einschnitt, der ihr Leben grundlegend veränderte. «Ich war unvorbereitet», sagte sie offen. «Plötzlich stellte sich die Frage: Wie gestalte ich mein Leben so, dass ich mich auch alleine verbunden fühle und wieder zufrieden bin?» Aus dieser persönlichen Krise entwickelte sie neue Perspektiven, die heute die Grundlage ihrer Arbeit bilden.
In der Vorbereitung ihres Vortrags suchte Steiner den Austausch mit einem ehemaligen Arbeitskollegen. Dieser habe ihr gesagt, sie solle auch jene ansprechen, die noch in einer Partnerschaft leben. «Er meinte zu seiner Frau: Du müsstest eigenständiger werden – du machst nie etwas allein», erzählte Steiner. Es fehle oft der Mut, Dinge alleine zu unternehmen. Und genau hier setzte ihr Referat an: Selbstständigkeit, Selbstfürsorge und innere Stärke.
Ein zentraler Punkt sei der Umgang mit Verlust. «Wenn ein Partner stirbt oder eine Beziehung endet, fällt eine ganze Lebensplanung weg. Es entsteht ein Vakuum», erklärte Steiner. Entscheidend sei dann, sich nicht zurückzuziehen, sondern neue Wege zu gehen. «Es geht darum, aus den eigenen vier Wänden herauszukommen und sich wieder nach aussen zu öffnen.»
Gleichzeitig spiele die innere Haltung eine wichtige Rolle. «Selbstfürsorge bedeutet, sich auch nach innen zu öffnen und sich um das eigene Seelenleben zu kümmern», sagte Steiner. Nach einer Phase der Trauer müsse der Blick wieder nach vorne gerichtet werden: «Ich sagte mir damals: Ich mache etwas Gutes aus meinem Leben.»
Konkret stellte die Referentin drei «Übungsfelder» vor. Erstens: das Alleinunterwegssein. «Beginnen Sie klein», riet sie. Ein Spaziergang, ein Kinobesuch oder einen Kaffee alleine seien erste Schritte. Sie selbst habe nach dem Tod ihres Mannes damit begonnen, alleine am Zürichsee spazieren zu gehen. «Das war sehr traurig», erinnerte sie sich. «Aber ich nahm mir vor, mutiger zu werden.» Später folgten Wanderungen und sogar Gruppenreisen. Ihr Tipp: «Fragen Sie die Organisatoren, ob auch andere Alleinstehende mit dabei sind. Das erleichtert die Teilnahme.»
Das zweite Übungsfeld betrifft den Kontakt zu anderen Menschen. «Lächeln Sie, grüssen Sie, wechseln Sie ein paar Worte», ermuntert Steiner. Solche Begegnungen im Alltag – beim Einkaufen oder unterwegs – nannte sie «Mikromomente der Verbundenheit». Wer diese nutze, gewinne Schritt für Schritt an Sicherheit und Selbstvertrauen.
Das dritte Feld widmet sich der Selbstfürsorge. «Wir neigen dazu, negativen Gedanken zu viel Raum zu geben», erklärte Steiner. Zur Veranschaulichung bezog sie sich auf die Parabel von den zwei Wölfen, eine bekannte indianische Weisheitsgeschichte über innere Konflikte: «Ein guter Wolf voller Liebe und ein böser Wolf voller Wut und Hass kämpfen in uns. Es gewinnt der, den wir füttern.» Deshalb sei es wichtig, eine freundliche und liebevolle Haltung sich selbst gegenüber zu entwickeln.
Hilfreich seien dabei auch Atemübungen. «Über die Atmung können wir unsere Gefühle steuern und ganz im Moment ankommen», sagte Steiner. Das beruhige den Geist und helfe, Ängste und Druck abzubauen.
Zum Abschluss ermutigte sie das Publikum, aktiv zu werden: «Schauen Sie nach vorne und machen Sie etwas Gutes aus Ihrer Situation.» Wer die drei Übungsfelder in kleinen Schritten angehe, könne nicht nur neue Verbindungen knüpfen, sondern auch Lebensfreude zurückgewinnen. «Machen Sie Projekte daraus, die über das Alltägliche hinausgehen. Probieren Sie etwas Neues aus», riet sie. «Sie werden merken: Es lohnt sich.»
Von Olivier Diethelm
In ihrem wohl persönlichsten Werk «SOLO – Alleinsein als Chance» (ISBN: 978-3-907238-44-8) verrät Autorin Dr. Verena Steiner, wie man sich selbst besser kennenlernt, eigenständiger wird und über den eigenen Horizont hinauswachsen kann.
Es gelingt ihr auf bestechende und spielerische Weise, Wissen zu vermitteln und zum Handeln anzuregen. Sie liefert klare Schritt-für-Schritt-Anweisungen und Werkzeuge für Singles.
Weitere Infos zur Autorin und ihrem Schaffen auf www.explorative.ch.
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